Vereinsfahrt nach Bruinisse Holland

 

Pssst … eine Warnung vorweg - im Vertrauen: Wenn man eine Vereinsfahrt mit dem Tauchverein macht, kann es einem passieren, dass man plötzlich – noch ehe man sich´s versieht – zum Freiwilligen bestimmt wird, einen Bericht über die Vereinsfahrt zu schreiben. Um ehrlich zu sein: Ich habe mich aber auch nicht allzu sehr gewehrt. Wenn so viele Leute im Verein so viel tolle Arbeit freiwillig machen, musste ich halt auch mal ran.

 

Wenn ich von der Fahrt erzählen soll, fang ich am besten schon mit der Vorbesprechung an. Heinz verteilte nach einem Training jede Menge Material: Anfahrtswegbeschreibungen, Karten usw. Da diese Gegend für mich völlig unbekannt war, nahm ich alles dankbar entgegen und versuchte mir vorzustellen, was so eben ging – was aber nicht viel war, in diesen Dingen bin ich eher schlecht. Viele der Anwesenden waren schon mal dort und so fühlte ich mich gut aufgehoben und sicher - nach dem Motto: Die wissen schon, was sie tun … (hoffentlich!).

In dieser Gewissheit störte ich mich auch nicht an solchen Kleinigkeiten wie, Ebbe und Flut und dass ich – als wohlgemerkt Ortsunkundiger - auf den Karten nicht erkannte wo Wasser und Land war und auch nicht wo dieses durch Schleusen von den Gezeiten abgetrennte Binnenmeer lag, in dem wir tauchen wollten. Heinz warnte auch alle vor, von der Jugendherberge keine zu großen Erwartungen zu haben. Solche Einschränkungen erschrecken mich schon gar nicht, da bin ich und meine Familie hart im nehmen. Allein der Appell, am Anfahrtstag abends bis 21.00 Uhr da zu sein, verursachte bei mir etwas Nervosität – unser VW-Bus ist leider kein Hochgeschwindigkeitsvehikel.

 

Als wir endlich frei hatten und alles verstaut war (auch den Notfallkoffer des Vereins – VW-Busse sind zwar nicht schnell aber groß) ging es endlich los. Wir wählten die Strecke über Luxemburg, die gut und wegen der Benzinkosten auch günstig war. Dank der guten Infos, die wir vorher bekamen, verlief die Fahrt relativ reibungslos. In strömendem Regen erreichten wir die Jugendherberge eine halbe Stunde vor Toresschluss.

Die Zimmer waren wirklich sehr spartanisch und beinhalteten nur Betten, die Waschräume und Duschen (sehr heißes Wasser) waren gut.  Das absolute Highlight war aber der Aufenthaltsraum, in dem die anderen schon auf uns warteten. Es war ein Riesensaal für mehrere hundert Leute – oder aber unsere Kinder. Es war eine sehr gemütliche und herzliche Atmosphäre, die Kinder konnten toben, und diejenigen, die der Lärm nicht störte, konnten den Abend richtig genießen. Da unsere Kinder hierbei einen entscheidenden Anteil hatten, und sich niemand bei uns beschwert hatte, gehe ich davon aus, dass die Mehrheit die Abende genossen hat.

Es war auch ein sehr humorvoller Abend, auch wenn es eher Galgenhumor war. Es regnete aus allen Rohren und die Vorstellung bei dem Wetter morgen tauchen zu gehen war Horror.

Wie der Saarländer sagt: “Man soll erscht heile, wenn ma sei Schlää gridd.“ (für Nichtsaarländer: Man soll erst heulen, wenn man seine Schläge kriegt.) Und frei nach diesem Motto hatten wir den ersten von noch weiteren gemütlichen Abenden.

In der Nacht nahm der Regen noch zu und morgens beim Frühstück sah es auch nicht viel besser aus. Ein einziger klitzekleiner blauer Fleck irgendwo am Horizont genügte, um uns froh zu machen. „Genau da fahren wir hin zum Tauchen.“ Solche und ähnliche Frohmachparolen wurden ausgetauscht und die Entwicklung des blauen Fleckchens wurde genau beobachtet. Leider wurde es nicht größer und kam auch nicht näher. Alles half nichts. Nach dem Frühstück, aufgepeppt durch Mitbringsel wie löslicher Capuccino, wurde gepackt und losgefahren. Und oh Wunder, ja ich möchte es das „Wunder von Holland“ nennen, denn es ereignete sich auch in den darauf folgenden Tagen: Das Wetter wurde immer besser und als wir am Strand ankamen, schien die Sonne. 

Da ich noch nie in der Nordsee tauchte, war ich sehr gespannt. Es war viel los, sicherlich auch durch die Feiertage in Deutschland. Deshalb war die Sicht unter Wasser für mich etwas enttäuschend. Doch es erwartete uns eine Tierwelt, wie ich sie von anderen Tauchgebieten nicht kannte: Garnelen, Langusten und Hummer im Überfluss – wenn ich kein Vegetarier wäre … Kurzum: Für alle, die nicht nur in den Tropen tauchen, eine faszinierende Welt.

Auch nach dem Tauchen lernte ich etwas Neues kennen: Flaschenfüllen wie an der Tankstelle. Es gab einige Füllstationen, an denen man seine Flasche einfach selbst anschloss, Geld einwarf (1€ für 400barl) und rückediezück war die Flasche voll (und warm, was man beim Füllen beachten musste).

So verliefen auch die nächsten Tage: Abends gute Laune (näheres wird nicht verraten) trotz Regen, morgens immer noch schlechtes Wetter, Abfahrt (immer noch schlechtes Wetter), Ankommen am Tauchplatz – Friede, Freude, Eierkuchen und Sonnenschein und dann: tolles Tauchen.

Zwei Ausnahmen sollen noch erwähnt werden.

Erstens: An einem Abend gingen wir essen. Die Bestellung gestaltete sich etwas kompliziert, weil die Kinder meist nur Beilagen wollten. Das Essen war trotzdem lecker (auch für mich – oder gerade für mich – als Vegetarier).  Das Aufdröseln der Rechnung war auch etwas kompliziert. Hierzu schlage ich vor, dass der Vereinsvorstand in Zukunft die Rechnung bezahlt (im Voraus besten Dank).

Zweitens: Es gab eine abtrünnige Tauchertruppe, zu der auch wir gehörten, die am letzten Tag keinen Tauchgang unternahmen und sich mit Sightseeing beschäftigten. Naja über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Alles in allem war es eine nette, wenn auch kurze Fahrt mit vielen schönen Erlebnissen und beim nächsten Mal, wenn es nach Holland (oder sonst wohin) geht, sind wir falls möglich auf jeden Fall dabei (trotz meiner etwas spöttischen Bemerkungen am Anfang).

 

Vielen Dank an die Organisatoren.

 

 

Martin Balzert